Im Gespräch mit Peter Bleser

Herr Bleser, manche Jungs wollen Feuerwehrmann oder Kapitän werden, wollten Sie schon immer in den Bundestag?

Nein, wollte ich nicht. Ich wollte eigentlich immer Bauer werden.

Was hat der Bauer was der Politiker nicht hat?

Eine selbständige Existenz ist die höchste Form der Freiheit die ein Mensch erfahren kann. Leider ist dies in der Politik so nicht immer möglich. Kompromisse gehören zur Demokratie.

Sie stammen aus der kleinen Gemeinde Brachtendorf in der Eifel. Was ist für Sie besonders attraktiv am ländlichen Raum?

Im ländlichen Raum ist die persönliche Entfaltung in vielfältiger Form möglich, ebenso kann Wohneigentum leichter erworben werden. Im Dorf ist die soziale Einbindung ausgeprägter. Die Möglichkeit sich politisch zu engagieren und so aktiv bei der Entwicklung seines Dorfes in Vereinen, der Kirche, der Feuerwehr oder im Sport und Schützenvereinen mitzuwirken und   einzubringen erfüllt mich mit Stolz. So hat man die Chance Verantwortung zu übernehmen. Im ländlichen Raum erlebt man die Kreisläufe der Natur viel intensiver - draußen sein ist einfach schön!

„Wer eine Furche ziehen will, muss weit vorausschauen“ – Gilt dieser Satz für Politik und Landwirtschaft zugleich?

Das ist identisch. Wer nicht weit nach vorne schaut und sich keine Ziele setzt, macht zu viele Umwege und schlägt Haken, dabei verwirrt er seine Mitmenschen und erreicht nicht das Gewollte.

Gab es einen Moment in Ihrer politischen Karriere, in der Sie am liebsten alles hingeschmissen hätten?

Mehrfach. Aber aufgeben – ist für einen Landwirt keine Option.

Die Bundespolitik verlangt täglich neue Kompromisslösungen, gerade in Zeiten einer großen Koalition. Ist es da überhaupt noch möglich die Interessen der Wähler in der Heimat zu vertreten?

Bei all meinen Entscheidungen überprüfe ich zuerst welche Auswirkungen diese auf die Menschen vor Ort haben. Auch bei Kompromissen muss zumindest eine Verbesserung erreicht werden. Sonst stimme ich nicht zu.

Bei der letzten Bundestagswahl im September 2013 haben Sie 53,6 % der Erststimmen in Ihrem Heimatwahlkreis erhalten. Wie erklären Sie sich dieses Ergebnis?

Dieses Wahlergebnis ist die Folge einer langen Zeit in der ich mit den Menschen in meiner Heimat zusammen arbeite. Ich habe viele Petitionen bearbeitet und auch das ein oder andere Projekt zum Erfolg geführt. So werde ich es auch in Zukunft handhaben.

Seit Dezember 2011 sind Sie nun Parlamentarischer Staatssekretär beim BMEL (vorher BMELV). Welche Möglichkeiten ergeben sich dadurch für Sie, sich direkt für die Landwirtschaft und Ernährung einzusetzen?

Viele Entscheidungen werden im engsten Führungskreis des BMEL getroffen, als Staatssekretär wirke ich dabei aktiv mit. Das bereitet mir große Freude und ich kann die Anliegen, die mir aus meinem Wahlkreis und der Branche an mich herangetragen werden, einbringen.
In meiner Funktion als Parlamentarischer Staatssekretär widme ich mich insbesondere den Bereichen: Weinbaupolitik, der Forschung und Innovation, dem Pflanzenbau und Pflanzenschutz ebenso den nachwachsenden Rohstoffen und der Forstwirtschaft. Ein besonderes Anliegen ist mir die Entwicklung des ländlichen Raums, damit wir gleichwertige Lebensverhältnisse in Ballungsgebieten und ländlichen Regionen schaffen. Dafür leite ich seit 2015 den Staatssekretärs-Arbeitsstab „Ländliche Entwicklung“ der Bundesregierung, dem neben dem BMEL fünf weitere Bundesministerien angehören. Außerdem habe ich viele Bezugspunkte zur EU-Agrarpolitik und pflege internationale Beziehungen. Dabei beschäftige ich mich zum Beispiel mit der Exportförderung und der Welternährung. All diese Bereiche sind außerordentlich spannend und auf regionaler, nationaler sowie internationaler Ebene mit hohen Gestaltungsmöglichkeiten versehen.

Herr Bleser, haben Sie ein Hobby dem Sie nachgehen?

Ja, Skifahren und Traktorfahren.

Was ist so besonders schön am Traktorfahren?

Beim Traktorfahren bekommt man den Kopf frei. Außerdem blickt man während der Feldarbeit auf das, was „hinter dem Pflug“ heraus kommt. Am Abend sieht man was man geleistet hat. Man hat den Boden für neues bereitet.

Politik ist ein „Full-Time-Job“, was machen Sie wenn Sie aber doch mal frei haben?

Wenn ich Zeit habe, verbringe ich diese gerne zusammen mit meiner Frau mit unseren Enkelkindern und Freunden. Oder aber ich nutze die Gelegenheit auf unserem Bauernhof die ein oder andere Arbeit zu erledigen.

Was möchten Sie in Berlin bewirken bevor Sie der Bundeshauptstadt den Rücken kehren?

Ich mache mir Sorgen um den ländlichen Raum. Vor allem die Tatsache, dass viele junge, qualifizierte Menschen den ländlichen Raum verlassen. Um die junge Generation aufs Land zurück zu holen, müssen wir unsere Dörfer attraktiver gestalten. Dazu gehören neben dem Breitbandausbau und einer guten Infrastruktur auch ein hochwertiges Bildungssystem, ein abwechslungsreiches Kulturangebot sowie eine gesicherte Gesundheitsversorgung. Außerdem müssen wir junge Unternehmen unterstützen, damit neue Firmen in ländlichen Regionen gegründet und so Arbeitsplätze geschaffen werden.