PStS Peter Bleser übergibt an der Hochschule Geisenheim zwei Förderbescheide

12. Juli 2017

Der Parlamentarische Staatssekretär beim Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft, Peter Bleser, hat an der Hochschule Geisenheim Förderbescheide für die Forschungsprojekte MureViU und PhytoDiag übergeben. Die Entwicklung multiresistenter Rebunterlagen und eines Testsystems für Phytoplasmenbefall im Obst- und Weinbau sind Ziele der geförderten Forschungsarbeiten.

Der Parlamentarische Staatssekretär beim Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft, Peter Bleser, hat am heutigen Mittwoch, 12. Juli 2017, an der Hochschule Geisenheim Förderbescheide für die Forschungsprojekte MureViU und PhytoDiag übergeben. Im Projekt MureViU entwickeln Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Hochschule Geisenheim, Institut für Rebenzüchtung, gemeinsam mit Partnern aus Forschung und Praxis innovative, multiresistente Unterlagen für den Weinbau in den nördlichen Anbauregionen. Das Institut für Phytomedizin der Hochschule entwickelt im Projekt PhytoDiag gemeinsam mit dem Institut für Obstbau und der Firma IDENTXX in Stuttgart ein im Feld nutzbares Diagnoseverfahren für Phytoplasmenbefall bei Himbeeren, Äpfeln, Birnen und Reben.

„Beide Projekte verfolgen interessante, für ganze landwirtschaftliche Zweige enorm wichtige Ziele. Die hohe Praxisrelevanz beider Vorhaben war ausschlaggebend für die Vergabe der Zuwendungsbescheide“, so PSt Bleser. „Ich freue mich, dass ich wieder die Gelegenheit nutzen konnte, die Hochschule Geisenheim in ihrer innovativen und zukunftsorientierten Forschungsarbeit zu unterstützen. Es ist beeindruckend, dass Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler hier bereits mit den Studierenden daran arbeiten, Antworten auf gesamtgesellschaftliche Fragestellungen zu finden.“

Phytoplasmen – kleine zellwandlose Bakterien – können bei Wein und Obstkulturen einen Ertragsausfall von 100 Prozent verursachen. Mit der im Rahmen von PhytoDiag zu adaptierenden Diagnosemethode soll ein Befall schon im Pflanzgut ausgeschlossen und so die Pflanzengesundheit verbessert werden. Das Projekt MureViU verfolgt das Ziel, die Züchtungseffizienz bei Rebunterlagen durch neue methodische Ansätze zu erhöhen, und konkret die Resistenz von Unterlagen gegen Trockenheit, Rebläuse und die Virusübertragung durch Nematoden zu erreichen. Wegen der unterschiedlichen Herkunft der verwendeten Wildformen wird auch ein Beitrag zu einer größeren Biodiversität im Weinberg geleistet.

Im Rahmen seines Innovationsprogramms unterstützt das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) die Hochschule Geisenheim mit rund 201.000 Euro für das Projekt MureViU (Gesamtfördersumme: rund 918.000 Euro). Das Projekt PhytoDiag wird von der Landwirtschaftlichen Rentenbank im Rahmen der Deutschen Innovationspartnerschaft Agrar (DIP) mit rund 206.000 Euro gefördert.

„Wir freuen uns sehr über die Förderung durch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft und die Landwirtschaftliche Rentenbank, die gleichermaßen Anerkennung unserer praxisnahen Forschungsarbeit ist. Höchste Priorität hat für alle Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Hochschule Geisenheim auch zukünftig, Methoden, Verfahren und Produkte zu entwickeln, die den Betrieben des Wein- und Gartenbaus, aber auch jenen in der Getränke- und Lebensmittelwirtschaft oder der Landschaftsarchitektur zu Gute kommen“, so Prof. Dr. Hans Reiner Schultz, Präsident der Hochschule Geisenheim. 

Über das Projekt MureViU

Das interdisziplinäre Verbundprojekt MureViU befasst sich mit der Entwicklung innovativer, international wettbewerbsfähiger Unterlagsreben für den Weinbau der nördlichen Anbauregionen. Mit Blick auf den Klimawandel, dessen Einflüsse auf den Weinbau und die ihn begleitenden züchterischen Herausforderungen sollen neue zuchtmethodische Wege beschritten werden, um die deutsche Unterlagenzüchtung fit für die Zukunft zu machen. 

Ein Ziel des Projektes ist es, Unterlagen zu identifizieren, die durch tiefreichende Wurzeln Wasser aus tiefen Bodenhorizonten aufnehmen können und dadurch eine höhere Trockentoleranz aufweisen. Eine Resistenz gegenüber Rebläusen und der Virusübertragung durch Nematoden sind ebenfalls essentiell für Unterlagen. Im Rahmen des Projektes werden Kreuzungspopulationen und amerikanische Wildarten auf neue Quellen dieser Resistenzen hin untersucht und genetische Marker für die oben genannten Merkmale entwickelt, die in Zukunft die Züchtung effizienter machen werden. 

Die Basis für jede Züchtungsarbeit bildet die genetische Diversität einer Art. Vor diesem Hintergrund wird eine Sammlung von Reben der Wildart V. berlandieri im Projekt genetisch charakterisiert, um sie langfristig erhalten zu können. 

Neben der Hochschule Geisenheim sind an diesem interdisziplinären Projekt das Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum Neustadt, das Julius-Kühn-Institut Geilweilerhof, die Universität Bielefeld, die Gemeinschaft zur Förderung von Pflanzeninnovation e.V. sowie verschiedene Rebschulen mit Versuchsflächen als künftige Nutzer der multiresistenten Unterlagen beteiligt.

Über das Projekt PhytoDiag

Ziel des Vorhabens PhytoDiag ist es, ein zur Diagnose von Phytoplasmen an Himbeeren entwickeltes Verfahren für den Nachweis von weiteren Phytoplasmen in Himbeeren, Äpfeln, Birnen und Reben in entsprechenden Betrieben vor Ort nutzbar zu machen.

Phytoplasmen sind kleine zellwandlose Bakterien, die sich in Leitbündeln von Pflanzen (Phloem) ansiedeln und bei vielen Kulturpflanzen Ertragsausfälle von bis zu 100 Prozent verursachen. So werden durch Phytoplasmen an der Rebe die Goldgelbe Vergilbung sowie die Schwarzholzkrankheit, an Äpfeln die Apfeltriebsucht, an Birnen der Birnenverfall oder an Himbeeren die Verzwergungskrankheit (Rubus stunt) hervorgerufen. Im Zuge der Klimaerwärmung verzeichnen Betriebe europaweit eine Zunahme der Phytoplasmen-Problematik, da ihre Überträger, phloemsaugende Insekten, häufig wärmeliebend sind. Sie dehnen ihr Verbreitungsgebiet entsprechend aus und weisen schnellere Vermehrungsraten auf.

Eine direkte Bekämpfung von Phytoplasmen in befallenen Pflanzen ist nicht möglich. Infizierte Pflanzen zeigen die entsprechenden Symptome häufig erst nach einer gewissen Zeit. Daher ist es insbesondere für die Vermehrung von Pflanzgut wichtig, Mutterpflanzen vor ihrer Vermehrung mit einer sicheren Diagnosemethode auf das Vorhandensein von Phytoplasmen zu testen. 

Im Rahmen eines durch das Bundesministerium für Landwirtschaft und Ernährung (BMEL) geförderten Verbundprojektes wurde an der Hochschule Geisenheim ein hochsensitives molekulares Verfahren zur sicheren und schnellen Diagnose der Rubus stunt an Himbeeren entwickelt. Dieses Diagnoseverfahren soll nun für die Diagnose weiterer Phytoplasmen an Äpfeln, Birnen und Reben erweitert werden.

Quelle: PM Alina-Louise Kramer Kommunikation und Hochschulbeziehungen Hochschule Geisenheim University