Morbach – Natur und Industrie im Einklang

Früher galt der Hunsrück als Deutschlands Armenhaus. Wer Morbach besucht, stellt fest, dass sich daran einiges geändert hat. Neben der reizvollen Landschaft findet sich auch eine starke Wirtschaft. Herausragend ist vor allem die Papierindustrie. Papier-Mettler beschäftigt mehr als 1400 Angestellte. Das international agierende Unternehmen stellt Papier- und Kunststoffverpackungen her und ist in diesem Bereich der größte rheinland-pfälzische Hersteller. Weitere Unternehmen aus der Holzindustrie und ein großer Automobilzulieferer komplettieren das aktive Morbacher Wirtschaftsleben.Auch touristisch hat die Einheitsgemeinde Morbach viel zu bieten. Insbesondere der Archäologiepark Belginum bei Wederath sucht in dieser Region seinesgleichen. Er schildert die Geschichte eines alten keltisch-römischen Straßendorfes an der Römerstraße zwischen Trier und Bingen. Neben der Dauerausstellung klären zahlreiche Vorträge und Sonderausstellungen über den Alltag im römischen Germanien auf. In Morbach selbst findet sich das Deutsche Telefonmuseum. Hier werden den Besuchern die Entwicklung des Fernsprechwesens und der Telegraphie präsentiert. Das Holzmuseum in Weiperath unterstreicht die Bedeutung dieses Rohstoffes als Lebensgrundlage der Region.

Die Burg Baldenau, landschaftlich sehr schön im Tal der Dhron gelegen, ist die einzige Wasserburg im Hunsrück. Erbauer der nach ihm benannten Burg war Balduin von Luxemburg, Kurfürst und Erzbischof von Trier. Balduin gilt als einer der bedeutendsten Fürsten des späten Mittelalters. Durch den 30-jährigen Krieg und den pfälzischen Erbfolgekrieg wurde die Burg so stark zerstört, dass sie unbewohnt blieb und verfiel. Dasselbe Schicksal ereilte die Burg Hunolstein, die in einem romantischen Tal auf einem Quarzitfelsen liegt.

Zu den schönsten Bauten der Gemeinde zählt die fast 900 Jahre alte Walholzkirche, einsam in einem Wiesental zwischen Hunolstein und Weiperath gelegen. Eine ganze Reihe von Sagen rankt sich um die Walholzkirche. So heißt es, dass sowohl Hunolstein als auch Weiperath die Kirche in ihrem Ortskern haben wollten, bis sich das größere Hunolstein durchsetzte. Das Bauholz wurde also geschlagen und in Hunolstein aufgeschichtet. Doch nachts war ein Rauschen in der Luft zu vernehmen, und am nächsten Morgen fand sich das Holz in jenem Wiesengrund. Mühsam wurde es zurück nach Hunolstein geschafft. Noch zweimal wiederholte sich der „Spuk“, bis dem „göttlichen Wink“ gefolgt wurde. Der Name „Walholzkirche“ bedeutet daher: Die Kirche, die sich ihren Platz selbst gewählt hat.

Der berühmteste Sohn Morbachs ist Edgar Reitz, Filmregisseur und Professor für Film an der Staatlichen Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe. Bekannt wurde er insbesondere durch sein „Heimat“-Projekt, ein Zyklus von 30 Spielfilmen über das Leben auf dem Hunsrück im 20. Jahrhundert. Ebenso bekannt, aber weniger real ist Jakob Maria Mierscheid. Mierscheid ist ein fiktiver SPD-Bundestagsabgeordneter, der obwohl er bereits seit 1979 im Bundestag sitzen soll, nie dort gesehen wurde. Er ist der Inbegriff des Hinterbänklers.

Fotos: Gemeindeverwaltung Morbach