NASA beobachtet Argentinien von der Internationalen Raumstation aus und entdeckt ein gigantisches rosafarbenes Herz von fast 10 Kilometern Breite, dessen Ursprung weit weniger romantisch ist, als es scheint

Veröffentlicht am: 05.05.2026
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nasa beobachtet argentinien von der internationalen raumstation aus und entdeckt ein gigantisches rosafarbenes herz von fast 10 kilometern breite

Ein Astronaut richtet seine Kamera auf Argentinien – und fängt dabei ein riesiges rosa Herz ein. Das Bild des Salzsees Salinas Las Barrancas, aufgenommen am 16. Januar 2024 von der Internationalen Raumstation aus, ging schnell um die Welt. Nicht wegen seiner herzförmigen Silhouette allein, sondern wegen der Frage, die jeder sofort stellt : Warum ist dieses Wasser rosa ?

Ein Herz aus Salz, sichtbar aus dem All

Salinas Las Barrancas liegt in der Provinz Buenos Aires, rund 53 Kilometer westlich der Hafenstadt Bahía Blanca. Der See erstreckt sich auf seiner breitesten Achse über etwa zehn Kilometer – groß genug, um aus einer Höhe von mehreren hundert Kilometern erkennbar zu sein. Das ist keine Kleinigkeit. Die Senke liegt an manchen Stellen rund 40 Meter unter dem Meeresspiegel, was erklärt, warum sich dort nach Regenfällen schnell Wasser sammelt.

Die NASA veröffentlichte das Foto auf dem Earth Observatory, eingebettet in einen thematischen Beitrag rund um den Valentinstag. Neben dem argentinischen Salzherz zeigte die Behörde einen eisförmigen Herzseein Nordamerika. Der Kontrast zwischen beiden Bildern hätte nicht größer sein können – warm und rosa hier, kalt und weiß dort. Das Foto selbst entstand mit einer Nikon D5 und einem 500-Millimeter-Objektiv, einer Brennweite, die feine Strukturen auf der Erdoberfläche scharf abbildet.

Was auf den ersten Blick wie ein romantisches Zufallsbild wirkt, ist tatsächlich ein wissenschaftliches Dokument. Jede Farbveränderung auf dieser Seeoberfläche spiegelt einen biologischen oder chemischen Prozess wider. Das Bild lügt nicht – aber es erzählt seine Geschichte nicht von selbst.

Warum der See rosa leuchtet : Mikroben, Salz und Sonne

Der Grund für die rosa Färbung ist kein Farbstoff und keine optische Täuschung. Es handelt sich um lebende Mikroorganismen. In extrem salzhaltigen Gewässern dominieren spezialisierte Lebensformen, die kaum ein anderes Ökosystem besiedeln könnten. Eine der bekanntesten ist Dunaliella salina, eine einzellige Alge, die unter hoher Salinität rote Carotinoide produziert und dem Wasser einen rötlich-rosa Schimmer verleiht.

Steigt der Salzgehalt weiter an – zum Beispiel nach langer Trockenheit – stirbt Dunaliella salina zurück. Dann übernehmen salztolerante Archaeen und Bakterien, die noch intensivere Rosatöne erzeugen können. Die Mikrobiologin Lilliam Casillas Martínez erklärte dazu im Smithsonian Magazine : „In der Trockenzeit wird es wirklich sehr salzig.“ Dieser Anstieg des Salzgehalts verändert die gesamte mikrobielle Gemeinschaft und damit direkt die sichtbare Farbe.

Folgende Faktoren beeinflussen, wie intensiv das Rosa ausfällt :

  • Die aktuelle Regenmenge und Verdunstungsrate
  • Die Konzentration von Salz im Wasser
  • Welche Mikroorganismen gerade dominieren
  • Die Intensität und Dauer der Sonneneinstrahlung

Dieser See ist also kein statisches Postkartenmotiv. Er verändert sich ständig – manchmal innerhalb weniger Tage. Nach einem kräftigen Regen sinkt der Salzgehalt, das Wasser hellt auf. Dann setzt die Sonne ein, treibt die Verdunstung an, und die Kristalle kehren zurück. Vergleichbar ist das mit einer Pfütze auf einem heißen Gehsteig – nur skaliert auf Quadratkilometer, mit Salz und Biologie als Hauptdarstellern.

Salzabbau, Flamingos und ein fragiles Ökosystem

Salinas Las Barrancas ist kein unberührtes Naturreservat. Ein Bericht der argentinischen Zeitung La Nación aus dem Jahr 2019 beschreibt die Salinas Chicas – eine verwandte Anlage in der Region – als Abbaufläche von rund 5.000 Hektar, wo zweimal jährlich geerntet wird. Die Jahresproduktion kann dabei bis zu 300.000 Tonnen Salz erreichen. Ein erheblicher Teil davon geht nicht in Lebensmittel, sondern in die chemische Industrie – etwa zur Herstellung chlorbasierter Verbindungen.

MerkmalAngabe
Breite des Sees~10 km
Entfernung zu Bahía Blanca~53 km
Tiefste Stelle (unter Meeresspiegel)~40 m
Salzproduktion (jährlich)bis 300.000 Tonnen
Fläche der Abbauzone~5.000 Hektar

Die Arbeitsbedingungen vor Ort sind hart. Das Weiß des Salzes reflektiert das Sonnenlicht so intensiv, dass Arbeiter ihre Augen und Haut dauerhaft schützen müssen. Wer einmal auf einer weißen Schneefläche ohne Sonnenbrille stand, ahnt, wie aggressiv dieses Licht sein kann.

Trotz der extremen Bedingungen ist das Gebiet kein totes Land. Chilenische Flamingos und der stark bedrohte Gelbkardinal nutzen die Uferzone. Flamingos beziehen ihr charakteristisches Rosa übrigens aus denselben Carotinoiden, die auch im mikrobiellen Nahrungsnetz des Sees vorkommen – eine biologische Verbindung, die das Ökosystem als Ganzes zusammenhält. Am Rand des Sees wachsen salztolerante Pflanzen, die einen schmalen grünen Streifen gegen die blassen Salzflächen setzen.

Satellitenbilder wie das der NASA helfen Wissenschaftlern, Veränderungen in Wasserstand, Salzgehalt und Vegetation über Jahre hinweg zu verfolgen – ohne dass jemand vor Ort sein muss. Gerade in abgelegenen Regionen ist diese Fernerkundung unverzichtbar geworden. Das rosa Herz über Argentinien ist mehr als ein schönes Bild : Es ist ein Frühwarnsystem für ein empfindliches Gleichgewicht aus Klima, Biologie und menschlicher Nutzung.

Peter Bleser

Peter Bleser ist Autor und regelmäßiger Beiträger eines Magazins, das seinen Namen trägt. Dort veröffentlicht er Analysen und Beiträge zu aktuellen gesellschaftlichen Themen, mit einem persönlichen Blickwinkel und einem verständlichen, einordnenden Stil.

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