43 Prozent der Kanadier würden lieber schwedische Gripen-Jets kaufen als amerikanische F-35. Das zeigt eine Ekos-Umfrage, die in kanadischen Medien zitiert wurde – und dieses Ergebnis hat Washington aufgeschreckt. Denn hinter dieser Präferenzverschiebung steckt weit mehr als eine technische Beschaffungsentscheidung : Es geht um die Zukunft von NORAD, kanadische Souveränität und eine Klimafrage, die bisher kaum jemand laut stellt.
Das US-Ultimatum und seine geopolitischen Folgen für den nordamerikanischen Luftraum
Pete Hoekstra, ehemaliger US-Botschafter in den Niederlanden, formulierte es unmissverständlich : Sollte Kanada seinen Auftrag über 88 F-35-Kampfjets zurückziehen, müsste die binationale Luftverteidigungsstruktur von NORAD grundlegend überdacht werden. Washington würde schlicht mehr eigene Jets kaufen und diese häufiger in kanadischen Luftraum schicken, um Verteidigungslücken zu stopfen. Das ist kein Ratschlag – das ist Druck.
NORAD funktioniert nach einer simplen Logik : Das nächste verfügbare Flugzeug reagiert, unabhängig davon, welche Flagge auf dem Rumpf prangt. US-Kampfjets sind bereits mehrfach über kanadischem Territorium aktiv geworden – etwa bei einer Bombendrohung gegen ein deutsches Passagierflugzeug nahe Calgary oder beim Abschuss eines verdächtigen Ballons über dem Yukon im Jahr 2023. Hoekstras Botschaft : Was bislang Ausnahme war, würde zur Routine.
Sicherheitsexperten in Kanada bewerten diese Aussagen differenziert. Andrea Charron vom Centre for Defence and Security Studies sieht öffentliche Drohungen dieser Art als Geschenk an Gegner und als Risiko für die Glaubwürdigkeit gemeinsamer Abschreckung. Vincent Rigby, ehemaliger nationaler Sicherheitsberater, bezeichnet Hoekstras Kommentare als politisches Druckmittel, nicht als gesicherte Pentagon-Position. Die Lage bleibt also offen – der Ton ist laut, aber nichts ist entschieden.
Parallel dazu hat Premierminister Mark Carney den milliardenschweren F-35-Vertrag 2025 auf Überprüfung gestellt. Sein Argument : Kanada ist zu stark von US-amerikanischen Rüstungsgütern abhängig und sollte seine Lieferketten diversifizieren. Die Mittel für die ersten 16 Jets sind zwar rechtlich gebunden, aber Ottawa erkundet offen Alternativen – vor einem Hintergrund aus Handelsspannungen und Zolldrohungen aus Washington.
| Kriterium | F-35 (Lockheed Martin) | Gripen E (Saab) |
|---|---|---|
| Herkunftsland | USA | Schweden |
| Treibstoffverbrauch pro Stunde | ~3.800 Liter | deutlich geringer (Einmotorig) |
| Kompatibilität mit SAF | begrenzt | zertifiziert, inkl. 100% Synthetikbetrieb |
| Kanadische Arbeitsplätze | nicht zugesagt | über 12.000 durch Lokal-Produktion |
| Öffentliche Unterstützung (Ekos) | 13% | 43% |
Gripen als Alternative : Saab, Arbeitsplätze und ein anderes Kalkül
Das schwedische Angebot von Saab ist mehr als ein Jet. Es enthält Gripen-Kampfflugzeuge, GlobalEye-Überwachungsflugzeuge und ein Versprechen : mehr als 12.000 kanadische Arbeitsplätze durch lokale Fertigung. Für eine Regierung, die innenpolitisch unter Druck steht, ist das keine Kleinigkeit.
Saab betont zudem, dass der Gripen mit Mischungen nachhaltiger Flugtreibstoffe betrieben werden kann. Testflüge mit 100 Prozent synthetischem Treibstoff wurden erfolgreich abgeschlossen – ohne Leistungsverlust. Das macht keinen Überschalljet grün, aber es zeigt, dass Konstruktionsentscheidungen eine Richtung vorgeben können. Der einmotorige Aufbau des Gripen verbraucht strukturell weniger Kerosin als das zweimotorige F-35-Design.
- Unterstützung für reine Gripen-Flotte : 43% der Befragten
- Unterstützung für gemischte Gripen/F-35-Flotte : 29%
- Unterstützung für ausschließlich F-35 : 13%
Diese Zahlen sagen mehr aus als Regierungserklärungen. Die kanadische Bevölkerung hat offenbar ein Gespür dafür entwickelt, dass Abhängigkeit von einem einzigen Lieferanten ein strategisches Risiko ist – gerade wenn dieser Lieferant gleichzeitig Zölle verhängt und Luftraumkontrolle als Druckmittel einsetzt.
Der Klimafaktor : Wenn Verteidigung die Emissionsbilanz sprengt
Hier kommt eine Dimension ins Spiel, die in der Debatte fast vollständig fehlt. Vergleichbare Kampfjets verbrennen pro Flugstunde mehr als 3.800 Liter Kerosin. Eine Schätzung aus dem Umfeld von ECONEWS beziffert die Emissionen auf rund 28.000 Pfund CO₂ pro Trainingsstunde – mehr als viele Pkw im gesamten Jahresbetrieb erzeugen.
Das Conflict and Environment Observatory und Scientists for Global Responsibility schätzen, dass Militärs weltweit für etwa 5,5 Prozent der globalen Treibhausgasemissionen verantwortlich sind. Das übertrifft den zivilen Luftverkehr und die Schifffahrt – wird aber aus offiziellen Klimaberichten routinemäßig herausgehalten. Jede neue Jetflotte zementiert Jahrzehnte weiteren Treibstoffverbrauchs, bevor das erste Flugzeug außer Dienst gestellt wird.
Für Menschen in Nordkanada, die bereits mit auftauendem Permafrost und verrauchten Sommern leben, ist das kein abstraktes Problem. Mehr Hochleistungsjets über arktischem Territorium bedeutet mehr Emissionen – während dieselben Haushalte Heizungen umrüsten, Wände dämmen und jeden Kilowatt überwachen sollen. Der Widerspruch ist schwer zu ignorieren.
Hoekstras Drohung, mehr US-F-35s in kanadischen Luftraum zu schicken, verschärft dieses Dilemma. Mehr Maschinen verbrennen mehr Treibstoff – unabhängig davon, welche Flagge auf dem Rumpf steht. Die Klimafrage endet nicht am Hangartor. Wer ernsthaft über Emissionsreduktion redet, muss irgendwann auch die Verteidigung in diese Rechnung einbeziehen – mit transparenter CO₂-Bilanzierung und klaren Zielvorgaben pro Flugstunde.










